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Oldtimer Steyr 480

Dies ist die Geschichte unseres Oldtimers Steyr 480, der nach fast vierjähriger Restauration der Stolz unserer Feuerwehr ist. Blicken wir doch einige Jahre zurück. Genau genommen in das Jahr 1962, als für das bisherige Tanklöschfahrzeug, ein aus der Kriegszeit stammender Bedford, ein neues Tanklöschfahrzeug angekauft wurde. Dabei handelte es sich um ein Tanklöschfahrzeug Steyr 480 mit 2.000 Liter Wasser.

Dieses wurde schon zwölf Jahre später gegen ein modernes Universallöschfahzeug ersetzt. Damals bestand natürlich kein Interesse mehr an diesem für die gestiegenen Einsatzansprüche nicht mehr zeitgemäßen Fahrzeug, und so wurde der Steyr480 unserer Feuerwehr an die Freiwillige Feuerwehr Willendorf verkauft.

Vor circa fünf Jahren wurde bekannt, dass sich die Firma Semperit von ihrem fast fünfzigjährigen Tanklöschfahrzeug, ebenfalls ein Steyr 480 trennen will.

Die Idee war geboren

So kam es zur faszinierenden Idee, Besitzer eines Oldtimers zu werden. Am 22. Dezember 2008 – die meisten Leute waren zu dieser Zeit mit den Weihnachtseinkäufen beschäftigt – begaben sich einige Kameraden, die vom Oldtimerfieber erfasst waren, zum Feuerwehrhaus der Betriebsfeuerwehr Semperit. Der Wagen, schon längere Zeit abgemeldet, rostete schön langsam in freier Natur vor sich hin. Immerhin hatte er ja schon fast 50 Jahre auf dem Buckel. Ein Traum begann Wirklichkeit zu werden.

1960 erteilte die Leitung der Firma Semperit in Wimpassing der Vorarlberger Firma Haberkorn den Auftrag, ein Tanklöschfahrzeug mit einem 2.000Liter Wassertank nach den neuesten Richtlinien der damaligen Zeit zu bauen.

Das Tanklöschfahrzeug mit zwei Hochdruckhaspeln im Heck, eingebauten Atemschutzgeräten und Schaummittel erregte damals bei den Fachkräften der benachbarten Feuerwehren schon einiges Aufsehen.

Nach einjähriger Bauzeit wurde das Fahrzeug  am 9. März 1961 als eines der modernsten Tanklöschfahrzeuge im südlichen Niederösterreich in Dienst gestellt. Damit konnte das Einsatzgeschehen im Betrieb – und damals auch noch überörtlich – noch professioneller und effizienter abgewickelt werden. Dies war zu dieser Zeit auf Grund der hohen Beschäftigungszahl und des noch in den Kinderschuhen steckenden Vorbeugenden Brandschutzes bitter notwendig.

Wie man den Einsatzberichten entnehmen kann, wurde das Tanklöschfahrzeug im Laufe von 47 Jahren bei 1.100 Einsätzen wie zum Beispiel bei Großbränden in Grünbach am Schneeberg und der Firma Schöller Bleckmann, einem Hotelbrand am Strengberg, einem Waldbrand am Schneeberg sowie bei Bränden in den Wimpassinger Betrieben eingesetzt. In diesen Aufzeichnungen sind mehr als die doppelte Anzahl von Kleinbränden und kleineren Einsätzen nicht berücksichtigt.

Wegen etlicher technischer Mängel wurde das Tanklöschfahrzeug im Jahr 2008 außer Dienst gestellt. Nach einigen Monaten Dornröschenschlaf in freier Natur, ist es uns gelungen, das Fahrzeug vor der möglichen Verschrottung zu retten. Mit Unterstützung unseres Herrn Bürgermeisters Walter Jeitler, sowie der Geschäftsleitung der Firma Semperit, federführend durch Herrn Viktor Zalokar, konnten wir das Fahrzeug zum Schrottpreis von € 750.- erwerben.

Beginn der Restaurierung im Mai 2009

Nach dem Ankauf war es für uns besonders bitter, dass wir im damaligen Feuerwehrhaus keinen Stellplatz zur Verfügung hatten. Deshalb stand der Wagen noch einen weiteren Winter im Freien. Im Frühling 2009 konnten wir bei der Fa. Hochhauser in Neunkirchen einen Stellplatz anmieten. Da an diesem Platz keine Montagen durchgeführt werden konnten, stellte uns die Gemeinde Wimpassing eine Box am Lagerplatz zu Verfügung. Es wurde mit den ersten Demontagearbeiten – wie die Türen vom Aufbau und verschiedenen Anbauteilen – begonnen. Unter der Leitung unseres sehr engagierten Willi Jaszecsko wurde die Bremsanlage wieder gängig gemacht.

Je mehr Teile demontiert wurden, desto mehr sanierungsbedürftige Stellen kamen zum Vorschein. Stark verrostete Karosserieteile, Türen, Löcher am Fahrzeugdach, den Innenverkleidungen, der Mannschaftskabine. Morsche Lederabdeckungen, die gesamten Türdichtungen und viele Kleinteile, die nur mehr teilweise oder gar nicht mehr vorhanden waren.

Im März 2010 stellten uns Frau Rosa und Frau Waltraud Maierhofer eine, glücklicher Weise leer gewordene, Halle zur Verfügung. Erst dort war es möglich, alle demontierten Teile und Schrauben fachgemäß zu lagern und die anfallenden Reparaturen sorgfältig durchzuführen. Es wurde entschieden, den kompletten Aufbau vom Fahrzeugrahmen abzuheben, um an den beschädigten 2.000 Liter Wassertank zu gelangen, um die vielen Löcher abzudichten.

Alle abmontierten Teile wurden gereinigt, grundiert, lackiert und dort wo Bedarf war auch mit Unterbodenschutz versehen. Danach wurden die restaurierten Teile wieder zusammengebaut, die Fensterscheiben, Türen und Fächer mit neuen Dichtungen versehen und eingebaut. Auch die elektrischen Anlagen wie z.B. Fachbeleuchtungen wurden erneuert, die Leitern saniert und neu zusammengebaut.

An dieser Stelle möchten wir festhalten, dass ohne die professionelle Unterstützung und Beratung vieler Fachleute die umfangreichen Fräs-, Dreh-, Schweiß-, und Lackierarbeiten nicht so erfolgreich möglich gewesen wären. Allein über die kuriose Beschaffung diverser Ersatzteile könnte man Bücher schreiben.

Die Eigenleistungen für die Restaurierung betrugen 2.364 Stunden. Diese Stundenanzahl wurde fast zur Gänze von den beiden Verantwortlichen des Projektes Josef Handler und Josef Hölbling aufgebracht. Doch nun erstrahlt unser Oldtimer Steyr 480  nach vierjähriger Renovierungsarbeit in neuem Glanz.